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Archiv von der ‘Politik’ Kategorie

Korpskommandant André Blattmann, Chef der Armee

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Wozu noch Journalismus?

Die Presse und somit der Journalismus gelten gemeinhin als vierte Gewalt im Staat. Ihre Legitimation in Frage zu stellen wäre unklug – der Journalismus gehört zu einer funktionierenden Demokratie wie es Legislative, Exekutive und Judikative tun.

Journalisten können erklären, Wissen «transportieren», sichtbar machen, aufdecken und sogar anwaltschaftlich vorgehen. Das sind wichtige Aufgaben, gerade auch im Hinblick auf unsere Milizarmee. Die Armee ist kein Selbstzweck – sie schützt Land und Leute. Und gerade deshalb müssen unsere Bürgerinnen und Bürger wissen, wenn Missstände vorhanden sind. Hier trägt seriöser Journalismus einen wichtigen Teil zur Ordnung bei.

Die mediale Kontrolle der Armee ist in der Schweiz sehr ausgeprägt. Nicht zuletzt ist dies auf eine weitere grosse Stärke unsere Milizarmee zurückzuführen: sie besteht aus selbstverantwortlichen Bürgern. Der Angehörige der Armee ist ein Bürger in Uniform und dieser Bürger in Uniform ist die beste Garantie für eine funktionierende demokratische

André Blattmann

André Blattmann

Kontrolle der Armee. Ein einzigartiges System als Grundlage für eine einzigartige Erfolgsgeschichte eines Landes, das seit über 160 Jahren von einem Krieg auf eigenem Territorium verschont geblieben ist.

Zur journalistischen Aufgabe gehört es denn auch, die vielen guten Leistungen zu dokumentieren, die unsere Armee zu Gunsten der Sicherheit erbringt. Den Schweizerinnen und Schweizern die Bedeutung der Sicherheit und den Nutzen der Milizarmee in Erinnerung zu rufen, auch das ist eine journalistische Aufgabe. In diesem Sinne verstehe ich die Zusammenarbeit mit den Medien durchaus als echte Partnerschaft für unser Gemeinwesen. Eine Partnerschaft, die auf gegenseitigem Vertrauen basiert und die ich weiter pflegen will.

Ich bin überzeugt, dass guter Journalismus wesentlich dazu beiträgt, unsere Demokratie zu stärken. Umso bedauerlicher ist es folglich, wenn primär Emotionen bewirtschaftet, abgeschrieben und auf Thesen basiert wird. Als Bürger und Armeechef erwarte ich von unseren Journalisten, dass sie der Wahrheit verpflichtet sind – getreu dem angelsächsischem Motto: «Facts are sacred, opinion is free.» Für diese Freiheit steht denn auch die Schweizer Armee ein – heute und in Zukunft!

Geschrieben von Maz Blogger

19. November 2010 um 12:17

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René Rhinow, Präsident des Schweizerischen Roten Kreuzes

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Welche Journalisten und Journalistinnen braucht das Land?

Die Frage verleitet dazu, vom guten Journalismus zu träumen. Ohne Rücksicht auf dessen Rahmenbedingungen und Realisierungschancen. Aber ausgerichtet auf einen Journalismus, der für unsere rechtsstaatliche Demokratie und die Bedürfnisse einer aufgeklärten Leserschaft essentiell ist. Ich greife 5 Stichworte heraus, die für mich beim politischen Journalismus im Vordergrund stehen:

René Rhinow

René Rhinow

Kompetenz: Verständnis für Geschichte und Eigenheiten von Staat und Politik in unserem Land. Wie sollen die Vorgänge und Hintergründe des politischen Geschehens gedeutet, bewertet und kommentiert werden, wenn es an entsprechenden Kenntnissen fehlt?

Unabhängigkeit: Politische Medienschaffende sind zwar Teil der Politik (auch wenn sie es nicht immer wahrhaben wollen). Sie machen Politik, sind aber nicht institutionell eingebunden. Das ist ihre grosse Chance. Sie müssen den Spagat zwischen dem „Dazugehören“ und der kritischen Distanz positiv bewältigen und dürfen sich nicht vereinnahmen lassen.

Selbstkritik: Ein guter Journalismus entgeht der Gefahr, sich auf das Podest der Selbstgerechtigkeit zu schwingen, jede Kritik (auch diejenige der Kritisierten) vorschnell als Medienschelte abzutun, sich den Mantel der Unfehlbarkeit umzuhängen. Wer „politisiert“, mit dem darf auch politisiert werden.

Verantwortung: Journalismus findet in der breiten Öffentlichkeit satt; er schafft vielfach Öffentlichkeit. Er kann dadurch vielfache und bedeutende Wirkungen auslösen, z.B. Stimmungen entfachen, Meinungsträger beeinflussen, Menschen glorifizieren oder blossstellen. Er „antwortet“ auf politisches Geschehen und trägt deshalb Verantwortung für sein Tun. Dies gilt vor allem auch beim sog. investigativen Journalismus.

Fairness: Zur Verantwortung gehört auch das Bemühen, einer Sache oder einer Person gerecht zu werden, bewusste selektive Wahrnehmungen zu unterlassen, mit Menschen menschenwürdig umzugehen. Menschenrechte und Persönlichkeitsschutz der Bundesverfassung gelten auch für den Journalismus.

Geschrieben von Maz Blogger

15. Oktober 2010 um 09:04

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Christine Beerli, Fürsprecherin, Vizepräsidentin des Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK)

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Christine Beerli

Christine Beerli

Braucht es künftig noch Journalismus und damit JournalistInnen?

welch eine Frage – natürlich, mehr denn je!

Die technologische Revolution wird die Art der Präsentation und Übermittlung der Informationen tiefgreifend beeinflussen. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass jemand entscheiden muss, was aus der unendlichen Vielfalt der täglichen Ereignisse Informationscharakter hat und in welcher Art der Sachverhalt aufbereitet und der Öffentlichkeit präsentiert werden soll. Da die Interessen des Publikum ausgesprochen heterogen sind, sind die «Informationsprofis» gehalten, sich zu spezialisieren, um die Nachfrage nach Einsicht in spezielle Gebiete kompetent und zeitgerecht abzudecken. Politik, Sport, Kultur, Gesellschaft, Wohnen, Garten, Schönheit, Tiere, Reisen und viele weitere mehr – alle Bereiche wollen bearbeitet sein. In einem Umfeld, in dem viele Menschen keine Zeit mehr haben – oder sich keine Zeit mehr nehmen – Bücher zu lesen, ist die journalistische Aufbereitung von Wissen von grösster Bedeutung. Sie ermöglicht vielen Menschen einen Einblick und anderen den Anstoss, sich vertieft mit einer Materie auseinanderzusetzen. Ich habe persönlich viele Bücher erst gelesen, weil ich vorher über sie gelesen habe – und dies war immer ein Gewinn.

Journalismus hat grosse Bedeutung weit über den politischen Journalismus hinaus – es liegt mir daran, dies festzuhalten, da ich mich nunmehr doch dem Bereich der «Politberichterstattung» zuwenden möchte.

Es gibt keine freie, offene, demokratische Gesellschaft ohne freie Medien und unabhängige JournalistInnen (Medienschaffende). Dies ist eine Binsenwahrheit – aber wert wiederholt zu werden. Freiheit und Unabhängigkeit – natürlich von staatlicher Einflussnahme und Gewalt. Hier sind die Gefahren in vielen Ländern offensichtlich und müssen bekämpft werden.

Freiheit und Unabhängigkeit können aber in unseren Breitengraden auch auf subtilere Art in Gefahr geraten: wirtschaftliche Macht (oder Ohnmacht) macht ihren Einfluss geltend. Redaktionen werden aus finanziellen Gründen bis unter die Schmerzgrenze verkleinert, der Druck auf den einzelnen Mitarbeitenden wächst – es steht keine Zeit mehr für seriöse Recherchen zur Verfügung und der Markt erwartet sensationelle Geschichten. Braucht es hier nicht fast übermenschlich viel Kraft, sich den Freiraum zu wahren und – vielleicht auf Kosten der Karriere – seinem Berufsethos nachzuleben? Und doch sind dies genau die JounalistInnen, die die heutige Welt so dringend braucht: neugierig, mutig, hartnäckig, in die Tiefe gehend, sachkundig, unvoreingenommen und verantwortungsbewusst. Ohne sie gehen wir in der Flut der ungefilterten – oder schlimmer noch – bewusst aufbereiteten und ausgelesenen Informationen unter!

Geschrieben von Maz Blogger

8. Oktober 2010 um 09:31

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Corinne Schmidhauser, Anwältin, Präsidentin Antidoping Schweiz, Grossrätin Kt. Bern, ehem. Skirennfahrerin

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corinne schmidhauser

corinne schmidhauser

Guten Journalismus heute
Wir sind mitten in einer Informationsinflation, einer Inflation des Halbwissens auch, des schon-mal-irgendwo-gelesen-haben’s, meist on- manchmal auch offline. Das «Informationsmonopol» ist den Journalisten längst abhanden gekommen. Immer wichtiger deshalb für mich als Userin: kann ich der Quelle meiner Informationen trauen? Was ist wahr und was ist cyper-(trash) talk?

Seriöse Wissensvermittlung scheint mir wichtiger denn je.
Verantwortungsvolles umgehen mit den Quellen – zentral!
Aber guter Journalismus ist mehr: Dieser Journalist, diese Journalistin gibt mir das Gefühl, sie habe nachgedacht, bevor sie geschrieben oder gesendet hat. Er gibt mir die Sicherheit, dass er akribisch korrekt recherchiert hat, sie lässt mich mit ihren Augen  Zusammenhänge erkennen, lässt mich mein Halbwissen verifizieren oder dementieren und das Vertrauen gewinne ich, weil er auch den Genitiv und die Orthografie kennt. Durchaus spielerisch, durchaus modern, aber bitte in einer Sprache, nicht im Slang des Porträtierten.
Das möchte ich lesen, das möchte ich hören oder sehen – das bin ich auch bereit zu honorieren. Aber nur das. Lässig hingeworfenes Halbwissen, schlecht recherchierte, oder schlimmer, falsch zitierte, Quellen, schludrig geschriebene Essays, sprachlich in falschen Bildern aufbereitet – ärgern mich und lassen mich die Seite drehen oder weiterklicken. Das bekomme ich ohne weiteres auch im Facebook, auf Twitter, überall halt. Kostenlos. Vertrauenslos.
Ich weiss, die Ansprüche sind hoch und ich weiss auch, dass die Wirtschaftlichkeit dieses hohen Gutes (noch) nicht überall erkannt ist. Aber ich bin überzeugt, dass sich die Spreu vom Weizen trennen wird, weil das eine hat keinen Mehrwert (mehr) in unserer vernetzten Welt. Ich glaube, dass die allgemeine Verfügbarkeit von Informationshäppchen eine Chance ist für den qualitativen Journalismus. Aber nur für ihn. Das ist ein Wunsch und ein Ziel zugleich. Ein lohnenswertes Ziel finde ich. Denn ich gebe es gerne zu, ich schätze guten Journalismus ausserordentlich, für mich persönlich, aber mehr noch, für unsere Gesellschaft als Ganzes.

Geschrieben von Maz Blogger

20. August 2010 um 11:35

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Hans-Jürg Fehr, Nationalrat

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Hans-Juerg Fehr

Hans-Juerg Fehr

Wer in einer Gesellschaft von Individuen leben will, die eigenständig denken und verantwortungsbewusst handeln können, wer in einem demokratisch organisierten Staat leben will, dessen wichtigste Entscheidungen Bürgerinnen und Bürger fällen, die den Durchblick haben, kommt ohne guten Journalismus nicht ans Ziel.

Gut ist Journalismus dann,

_wenn er die relevanten Informationen sucht und liefert,

_wenn er die Hintergründe dazu ausleuchtet und Erkentnisse ermöglicht,

_wenn er nach den bequemen auch die unbequemen Fragen stellt,

_wenn er aufdeckt statt zudeckt,

_wenn er grundsätzlich machtkritisch operiert,

_wenn er bei den Lesenden, Hörenden und Sehenden das Beurteilungsvermögen schärft, ihre Argumentationsfähigkeit verbessert, Meinungen bilden und Entscheidungen fällen hilft.
Guter Journalismus ist unverzichtbar, erst recht in Zeiten, in denen der schlechte grassiert.

Geschrieben von Maz Blogger

16. August 2010 um 08:52

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Annemarie Huber-Hotz, ehem. Bundeskanzlerin, Präsidentin SGG, Vizepräsidentin SRK und Fachhochschulrat HSLU

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Anne-Marie Huber-Hotz

Anne-Marie Huber-Hotz

Trotz der rasanten Entwicklung in der Information und Kommunikation braucht es auch in Zukunft Journalismus, d.h. Berichterstattung über das tägliche Geschehen. Mit der Globalisierung wird auch dieses Geschehen immer umfangreicher und komplexer. Die Herausforderung für Journalistinnen und Journalisten besteht darin,  aus dieser Masse an Informationen die für ihre Zielgruppen relevanten Informationen so auszuwählen, aufzubereiten und zu vermitteln, dass sie sich ein möglichst «wahres» Bild über das Geschehen und die Zusammenhänge machen können. «Wahrheit», Echtheit zu vermitteln ist eine Kunst, die vom Vermittler – vom Journalisten/in und Verleger/in – nicht nur eine hohe ethische Gesinnung voraussetzt, sondern auch Können.  Deshalb ist die Ausbildung äusserst wichtig. Sie muss – wie der Journalismus selbst – höchsten Qualitätsansprüchen genügen.  Informationsvermittlung und Kommunikation sind mehr als ein auf Gewinn und Sensation ausgerichtetes Business, sie sind eine staatspolitische Aufgabe.

Geschrieben von Maz Blogger

5. Juli 2010 um 17:24

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Bundesrat Moritz Leuenberger antwortet dem MAZ

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Bundesrat Moritz Leuenberger antwortet dem MAZ, der Schweizer Journalistenschule

Moritz Leuenberger

«Medienkonsumenten sind auch Bürger.

Wozu noch Journalismus? Ein Seufzer, den Zeitungsleserinnen, Fernsehzuschauer und Journalistinnen gleichermassen zum Himmel senden, wenn auch aus verschiedenen Gründen. Die Entwicklung der Medienlandschaft der letzten Jahre könnte ja tatsächlich den Eindruck vermitteln, der Journalismus werde nach und nach abgeschafft. Traditionsreiche Zeitungstitel sind im Zuge von Fusionen verschwunden. Die verbliebenen Redaktionen wurden unter wirtschaftlichem Druck merklich ausgedünnt. Dies schlägt sich in Qualitätseinbussen nieder. Gründlich recherchierte Artikel sind selten geworden, Journalistinnen und Journalisten sind unter Druck, rasch und viel zu produzieren. Gratiszeitungen richten ihren Journalismus nach den Kriterien der Werbung und der Effekthascherei aus.

Dieser kulturpessimistischen Bilanz muss aber sogleich ein ganzheitlicher Blick folgen. Während sich der Blätterwald gelichtet hat, hat sich die Informationsfülle verdichtet. Wir informieren uns gleichzeitig über immer mehr Kanäle: Zeitungen, Radio, Fernsehen, Internet, SMS, Twitter, Facebook. Wir merken dabei: Eine Vielfalt an Informationsträgern, die schier unendliche Mengen an Informationen verbreiten, bedeutet nicht automatisch, dass wir besser informiert wären.

Wer auf dem Meer unterwegs ist, braucht Navigationshilfen. Aufklären, einordnen, gewichten, übersetzen: Auf diese Kernkompetenzen des Journalismus sind wir dringend angewiesen. Journalismus sollte seinen Lesern, Zuhörerinnen und Zuschauern die Fakten so vermitteln, dass sie selber zur freien Meinungsbildung fähig werden. Medienkonsumenten sind auch Bürger. Dies ist – gerade in unserer direkten Demokratie – die grosse gesellschaftliche und politische Aufgabe des Journalismus. Sie darf auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht geopfert werden. Das MAZ trägt seit 25 Jahren dazu bei, das Bewusstsein für diese Verantwortung zu schärfen. Diesen Beitrag braucht es heute mehr denn je.»   

Bundesrat Moritz Leuenberger – Antwort auf die Frage „Wozu noch Journalismus“ 

Geschrieben von Maz Blogger

10. Juni 2010 um 17:01

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